Europäische Fachtagung zur künstlerischen Bildung geistig beeinträchtigter Menschen Hamburg, 25. - 27. Januar 2007

THEMA I: Künstlerförderung ­ von heute wohin?
THEMA II: Ausbildung der Ausbilder
THEMA III: Keine Kunst ohne Geld
THEMA IV: Ausbildung in Zukunft

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Seit der Gründung der ersten Initiativen, die geistig beeinträchtigten Menschen den Zugang zu den bildenden und darstellenden Künsten ermöglichen, sind gut zwanzig Jahre vergangen. In dieser Zeit haben sich zahlreiche Organisations- und Arbeitsformen entwickelt und zur Etablierung eines neuen Kulturmarktes und kulturellen Selbstverständnisses beigetragen. Heute steht die künstlerische Arbeit mit behinderten Menschen vor neuen strategischen und praktischen Herausforderungen. Ein Paradigmenwechsel zeichnet sich ab:

In den frühen Jahren wurde schwerpunktmäßig darauf hingearbeitet, geistig beeinträchtigte Künstlerinnen und Künstler in den etablierten Kulturbetrieb zu integrieren. Auf dem jetzt erreichten Niveau stehen zunehmend qualitative und wirtschaftliche Aspekte der künstlerischen Produktionen im Vordergrund.
Es sind vor allem zwei Themenkomplexe, mit denen sich der Kulturbetrieb und seine Akteure heute auseinandersetzen müssen. Diese spielen bei der Fachtagung eine zentrale Rolle:

Zum einen stellt sich mit wachsendem Erfolg der behinderten Künstler auch die Frage nach qualifizierten Aus-, und Weiterbildungsmöglichkeiten – sowohl für die Künstler als auch für ihre Ausbilder. Welche Qualifizierungsmöglichkeiten stehen den künstlerisch begabten Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung zurzeit im Vergleich zu ihren nicht behinderten Kollegen offen? Welche künstlerischen Disziplinen sind durch Fördermaßnahmen gut erschlossen, wo gibt es zu wenig qualifizierende Angebote? Und was sollten Weiterbildungsmaßnahmen inhaltlich bieten, um die Künstler und Ausbilder in ihrer Arbeit zu fördern?
Der zweite Themenkomplex beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kunst und Markt. In Zeiten leerer Kassen müssen sich die Anleiter und Vermittler heute zunehmend als Ausstellungsmacher und Marketing-Strategen für ihre Klienten verstehen und im Spannungsfeld zwischen der künstlerischen Qualität der Produkte und ihrer kommerziellen Verwertbarkeit agieren. Welche Strategien bieten den Anleitern künstlerischer Angebote dabei die größten Erfolgschancen? Und: Wie viel Markt verträgt die Kunst?
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THEMA I
Künstlerförderung – von heute wohin?

In den letzten Jahren sind zahlreiche Organisationsformen zur künstlerischen Förderung behinderter Menschen entstanden. Neben institutionell getragenen Aktivitäten im Freizeitbereich und den freien Kunst- und Theatergruppen ist das Modell des „Künstlerarbeitsplatzes“ im Rahmen einer regulären Behindertenwerkstatt die wohl etablierteste Form der Förderung. EUCREA möchte die verschiedenen langfristig angelegten Modelle der Künstlerförderung sammeln, sie inhaltlich und strukturell analysieren und ihre Vor- und Nachteile erörtern. Ergänzend werden in diesem Teil des Kongresses „Best-Practice-Modelle“ aus den europäischen Nachbarländern vorgestellt.
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THEMA II
Ausbildung der Ausbilder

Künstlerische Qualifizierung kann nur dort stattfinden, wo das lehrende Personal über den geeigneten Ausbildungshintergrund verfügt. Die Arbeit mit geistig beeinträchtigten Menschen erfordert spezifische Kenntnisse in den Bereichen Didaktik, Methodik und Pädagogik. Im Rahmen der pädagogischen Hochschulausbildung sind mittlerweile Praktika z. B. auch in einer Kunst-werkstatt möglich. Doch in der Angewandten Kulturwissenschaft, der Kulturpädagogik und der Kunsttherapie existieren momentan nur einige wenige Ausbildungsansätze. EUCREA Deutschland hat in den Jahren 2003/2004 einen Fortbildungsgang zur Qualifizierung zum „Kunst-Assistenten“ durchgeführt, in dem spezifische Kenntnisse für die Arbeit im Bereich der bildenden Kunst mit geistig beeinträchtigten Menschen vermittelt wurden. Dieser Kongressabschnitt bietet einen Überblick über die existierenden Ausbildungsangebote sowie Erfahrungsberichte von Experten. Darüber hinaus soll diskutiert werden, wie viel spezifische Ausbildung notwendig ist.
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THEMA III
Keine Kunst ohne Geld

In der heutigen wirtschaftlichen Situation sehen sich viele Kunstgruppen gezwungen, zur Existenz-sicherung ihre Theaterstücke, Musik oder Produkte der künstlerischen Arbeit verstärkt zu vermarkten. So können die Kunstwerkstätten z. B. mit Merchandising-Produkten, über Webshops und durch die Teilnahme an Messen und Verkaufsausstellungen auf den Markt kommen. Im Theaterbereich stellt sich jedoch die Frage, in wie weit eine Vermarktung auf etablierten Theaterfestivals möglich ist. Der finanzielle Druck kann dazu führen, dass sich die Produzenten verstärkt an den Vorlieben größerer Käufergruppen orientieren müssen. Diese Entwicklung bedarf einer kritischen Betrachtung. In diesem Teil der Fachtagung berichten Vertreter verschiedener Kunstrichtungen von ihren Erfahrungen. Gemeinsam soll erörtert werden, welche Bedingungen für eine erfolgreiche und auch qualitätsbewusste Vermarktung gegeben sein müssen und wie diese in den unterschiedlichen Bereichen verbessert werden können.
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THEMA IV
Ausbildung in Zukunft

Schon lange hat sich der Kulturmarkt behinderter Menschen vom Status des „Solidaritätsgeschäfts“ verabschiedet. Spitzenwerke der bildenden Kunst werden nicht mehr aus Mitleid gekauft, sondern zu hohen Preisen in Galerien gehandelt. Einige behinderte Schauspieler sind zu bekannten Personen im Fernsehen avanciert. Doch obwohl die Entwicklung der letzten Jahre erfreulich ist, handelt es sich bei diesen Erfolgreichen nur um eine kleine Minderheit, die durch glückliche Zufälle entdeckt, oder aufgrund des hohen Engagements ihres Umfelds gefördert wurden. Erfolg darf aber nicht allein vom Zufall abhängen. Eine verbesserte Ausbildungssituation kann viel dazu beitragen, die Erfolgsaussichten talentierter behinderter Künstler auf eine solide Grundlage zu stellen. Wie könnte ein Ausbildungsangebot, insbesondere für jüngere, künstlerisch hochbegabte Menschen, aussehen? Wäre es denkbar, dass die etablierten Schauspiel- oder Kunsthochschulen geistig behinderte Menschen in ihre Studiengänge aufnehmen? Dieser Bereich steht noch ganz am Anfang. Die Fachtagung wird zur Sammelstelle für erste Erfahrungen, gibt Raum zur Befragung von Verantwortlichen und arbeitet mit den Teilnehmern an Visionen für die Freizeit- und Berufsbildung.
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